Weniger Output, mehr Wirkung

Wie Kommunikationsverantwortliche mit Impact Architecture den Beitrag der Kommunikation zum Unternehmenserfolg systematisch planen, steuern und nachweisen.

Kommunikation ist produktiver geworden. Künstliche Intelligenz beschleunigt Recherche, Content-Produktion, Personalisierung, Distribution und Analyse. Gleichzeitig wächst die Zahl der Kanäle, Formate und möglichen Kontaktpunkte. Das Ergebnis ist jedoch nicht automatisch mehr Wirkung. Im Gegenteil: Wenn die Produktion von Kommunikation schneller wächst als die verfügbare Aufmerksamkeit der Stakeholder, verliert Output als Erfolgsmaßstab an Aussagekraft.

Für Kommunikationsverantwortliche entsteht daraus eine strategische Aufgabe. Es reicht nicht mehr, zu dokumentieren, was Kommunikation produziert und welche unmittelbaren Effekte sie erzielt. Entscheidend ist die Frage, was Kommunikation bei relevanten Stakeholdern und letztlich für die Organisation verändert. Internationale Standards zur Kommunikationsmessung unterscheiden deshalb klar zwischen Outputs, Reaktionen der Zielgruppen, Outcomes und Impact. Die Barcelona Principles 4.0 fordern ausdrücklich, Kommunikation nicht primär anhand leicht verfügbarer Kennzahlen zu bewerten, sondern Outputs, Outcomes sowie die Auswirkungen auf Organisation und Stakeholder miteinander zu verbinden (AMEC, 2025).

Für Kommunikationsleitungen bedeutet das einen Perspektivwechsel: Wirkung darf nicht erst am Ende einer Kampagne gemessen werden. Sie muss bereits vor Beginn der Kommunikation definiert werden. Ausgangspunkt ist nicht die Frage „Was wollen wir kommunizieren?“, sondern: „Welche für das Unternehmen relevante Veränderung soll Kommunikation unterstützen?“ Forthmann bezeichnet diesen Ansatz als wirkungsfokussierte Unternehmenskommunikation und unterscheidet drei Wirkungsklassen: relationale Wirkung, transaktionale Wirkung und betriebswirtschaftliche Wirkung (Forthmann, 2026).

Dieses Whitepaper führt dafür den Begriff Impact Architecture als strategisches Ordnungsmodell ein. Impact Architecture bedeutet, Kommunikation konsequent von der beabsichtigten Wirkung her zu konstruieren und dabei Strategie, Daten und Technologie miteinander zu verbinden. Die Strategie definiert, welche Veränderung erforderlich ist. Daten zeigen, ob und wodurch diese Veränderung eintritt. Technologie ermöglicht, komplexe Kommunikationssysteme schneller zu analysieren, zu orchestrieren und kontinuierlich anzupassen.

Der entscheidende Unterschied zu klassischem Kampagnenmanagement liegt damit nicht in einem zusätzlichen Dashboard. Er liegt in einer anderen Führungslogik:

Unternehmensziel → gewünschter Impact → Kommunikationsziel → Wirkungsannahme → Maßnahmen → Evidenz → Lernen und Steuerung.

So verstanden wird Kommunikation nicht einfach messbarer. Sie wird steuerbarer.

1. Das neue Kommunikationsparadoxon: Mehr Möglichkeiten, aber nicht automatisch mehr Wirkung

Die technologische Entwicklung hat die ökonomischen Bedingungen der Kommunikation grundlegend verändert. Inhalte können schneller recherchiert, erstellt, adaptiert und verbreitet werden. Generative KI senkt insbesondere die Grenzkosten der Content-Produktion erheblich. Damit entfällt zunehmend eine Beschränkung, die Kommunikationsarbeit lange geprägt hat: die Knappheit an Produktionskapazität.

Die Konsequenz liegt auf der Hand. Organisationen können mehr kommunizieren, häufiger kommunizieren, für kleinere Zielgruppensegmente kommunizieren und Inhalte in einer Vielzahl von Varianten ausspielen. Doch die Kapazität der Stakeholder, Kommunikation wahrzunehmen und zu verarbeiten, wächst nicht entsprechend mit.

Damit verschiebt sich das Kernproblem der Kommunikation von der Produktion zur Selektion und Wirkung.

Auch die Rolle der Kommunikationsfunktion verändert sich. Untersuchungen unter leitenden Kommunikationsverantwortlichen zeigen, dass CCOs zunehmend als strategische Partner der Unternehmensleitung agieren und stärker in unternehmensweite Entscheidungsprozesse eingebunden sind. Edelman fand bei mehr als 200 leitenden Kommunikationsverantwortlichen großer internationaler Unternehmen, dass die Kommunikationsfunktion deutlich stärker als strategischer Berater des CEO und der Unternehmensleitung wahrgenommen wird. Die Arthur W. Page Society beschreibt parallel eine Ausweitung des Verantwortungsbereichs vieler CCOs auf Transformation, Corporate Brand und Multistakeholder-Management (Arthur W. Page Society, 2024; Edelman, 2023).

Mit dieser Aufwertung steigt jedoch die Erwartung an den Nachweis des eigenen Beitrags. Wer an strategischen Unternehmensentscheidungen beteiligt ist, wird nicht nur danach beurteilt, wie professionell eine Kommunikationsfunktion arbeitet. Entscheidend wird, welchen Beitrag sie zur Lösung strategischer Unternehmensprobleme leistet.

Hier entsteht ein grundlegendes Spannungsfeld:

Die technologische Entwicklung optimiert vor allem die Produktion von Kommunikation. Das Management interessiert sich zunehmend für deren Wirkung.

Mehr Content kann deshalb sogar kontraproduktiv sein, wenn zusätzliche Aktivitäten keine relevante Veränderung erzeugen, aber Ressourcen, Aufmerksamkeit und Managementkapazität binden.

Die strategische Frage lautet folglich nicht mehr: „Wie können wir mehr Kommunikation produzieren?“

Sondern: „Welche Kommunikation benötigen wir überhaupt, um eine definierte Veränderung zu erreichen?“

Diese Verschiebung von einer Output- zu einer Wirkungslogik bildet den Ausgangspunkt einer Impact Architecture.

2. Effekte sind wichtig – aber sie sind noch kein Impact

Eine wesentliche Voraussetzung wirkungsorientierter Kommunikation ist begriffliche Klarheit. Denn ein großer Teil der Schwierigkeiten bei der Erfolgsmessung entsteht dadurch, dass Kennzahlen unterschiedlicher Ebenen miteinander vermischt werden.

Reichweite ist etwas anderes als Vertrauen. Engagement ist etwas anderes als Verhaltensänderung. Eine positive Tonalität ist etwas anderes als eine bessere Reputation. Ein Klick ist noch kein wirtschaftlicher Wertbeitrag.

Das AMEC Integrated Evaluation Framework unterscheidet deshalb zwischen mehreren Stufen einer Wirkungskette. Outputs beschreiben, was Kommunikation produziert und distribuiert. Out-takes beschreiben unmittelbare Reaktionen wie Aufmerksamkeit, Verständnis oder Interesse. Outcomes erfassen längerfristige Veränderungen bei Stakeholdern, beispielsweise Einstellungen, Vertrauen, Präferenz oder Verhaltensabsichten. Impact bezeichnet schließlich Ergebnisse, die ganz oder teilweise durch Kommunikation verursacht wurden und unmittelbar zu Organisationszielen beitragen (AMEC, o. J.).

Diese Differenzierung ist keine akademische Feinheit. Sie verändert die Interpretation fast jeder verbreiteten Kommunikationskennzahl.

Eine hohe Reichweite beantwortet beispielsweise die Frage, ob ein Inhalt potenziell viele Menschen erreicht hat. Sie beantwortet nicht, ob diese Menschen ihre Einschätzung eines Unternehmens verändert haben. Ein hoher Share of Voice zeigt relative kommunikative Präsenz. Er sagt nicht automatisch etwas über Vertrauen oder Präferenz aus. Eine hohe Engagement Rate zeigt eine Reaktion auf Inhalte. Ob daraus eine für die Organisation relevante Handlung entsteht, bleibt zunächst offen.

Macnamara weist in seiner Analyse internationaler Standards zur PR-Evaluation darauf hin, dass die Profession über Jahrzehnte Schwierigkeiten hatte, über Outputs hinaus belastbare Outcomes zu messen. Gerade deshalb wurden internationale Standards und Frameworks entwickelt, die Evaluation stärker an tatsächlichen Veränderungen ausrichten (Macnamara, 2014).

Für Kommunikationsverantwortliche folgt daraus eine wichtige Regel:

Ein Effekt ist nicht wertlos, nur weil er noch keine Wirkung ist. Er darf lediglich nicht mit Wirkung verwechselt werden.

Output- und Effektkennzahlen bleiben für die operative Steuerung unverzichtbar. Sie helfen zu verstehen, ob Botschaften sichtbar werden, Inhalte Resonanz erzeugen und Stakeholder erreicht werden. Ihr Wert liegt jedoch häufig darin, Wirkung zu erklären, nicht darin, Wirkung zu ersetzen.

Eine professionelle Wirkungsarchitektur verwendet daher unterschiedliche Kennzahlen für unterschiedliche Aufgaben:

  • Leistungs- und Effektkennzahlen steuern die operative Kommunikation.
  • Wirkungskennzahlen zeigen Veränderungen bei Stakeholdern oder im Unternehmen.
  • Evidenzkennzahlen helfen zu erklären, wodurch diese Veränderungen entstanden sein könnten.
  • Effizienzkennzahlen zeigen, mit welchem Ressourceneinsatz die Ergebnisse erreicht wurden.

Entscheidend ist die Hierarchie zwischen diesen Ebenen.

3. Wirkung beginnt bei den Unternehmenszielen

Viele Kommunikationsstrategien beginnen mit Kommunikationsfragen: Welche Themen sollen besetzt werden? Welche Zielgruppen sollen erreicht werden? Welche Kanäle sollen genutzt werden?

Eine wirkungsorientierte Kommunikationsstrategie beginnt einen Schritt früher. Sie fragt zunächst:

Welches Unternehmensziel oder welches strategische Unternehmensproblem soll durch Kommunikation unterstützt werden?

Das ist anspruchsvoller, weil zwischen einem Unternehmensziel und einer Kommunikationsmaßnahme häufig mehrere Wirkungsstufen liegen. Kommunikation kann beispielsweise nicht unmittelbar „Umsatz erzeugen“, wenn Kaufentscheidungen zusätzlich durch Preis, Produktqualität, Distribution oder Vertrieb bestimmt werden. Sie kann aber Wahrnehmungen, Beziehungen oder Verhalten beeinflussen, die ihrerseits zur Zielerreichung beitragen.

Zerfass und Viertmann entwickelten auf Basis einer Untersuchung von 815 wissenschaftlichen Veröffentlichungen den „Communication Value Circle“. Ihr Ansatz verdeutlicht, dass Kommunikationsziele mit übergeordneten Wertschöpfungszielen der Organisation verbunden werden müssen, statt Kommunikationsleistung isoliert zu betrachten (Zerfass & Viertmann, 2017).

Auch das AMEC Integrated Evaluation Framework empfiehlt ausdrücklich, bei der Planung mit dem gewünschten organisationalen Impact zu beginnen und anschließend rückwärts zu bestimmen, welche Outcomes und Kommunikationsleistungen dafür erforderlich sind (AMEC, o. J.).

Diese rückwärtsgerichtete Konstruktion ist der Kern einer Impact Architecture.

Die strategische Kaskade

Für jedes wesentliche Kommunikationsfeld sollten fünf Fragen beantwortet werden:

  1. Welches Unternehmensziel soll unterstützt werden?
    Zum Beispiel Wachstum, Transformation, Arbeitgeberattraktivität, Kundenbindung, gesellschaftliche Akzeptanz oder Risikoreduktion.
  2. Welche Wirkungsveränderung wäre dafür erforderlich?
    Was müsste eine relevante Stakeholdergruppe anders denken, fühlen, entscheiden oder tun?
  3. Welchen Beitrag kann Kommunikation realistisch dazu leisten?
    Kommunikation ist selten der einzige Einflussfaktor. Ihre Rolle muss deshalb präzise beschrieben werden.
  4. Woran wäre die Veränderung erkennbar?
    Hieraus entsteht die primäre Wirkungskennzahl.
  5. Welche kommunikativen Faktoren könnten diese Veränderung auslösen?
    Erst jetzt werden Themen, Botschaften, Formate und Kanäle relevant.

Die Kommunikationsstrategie wird damit nicht von Maßnahmen auf Wirkung hochgerechnet. Sie wird von der Wirkung auf Maßnahmen heruntergebrochen.

4. Drei Arten von Impact

Nicht jede Kommunikationsaufgabe muss am Umsatz gemessen werden. Der Versuch, jede Kommunikationsleistung unmittelbar zu monetarisieren, erzeugt häufig Scheingenauigkeit.

Sinnvoller ist es, unterschiedliche Arten von Wirkung zu unterscheiden. Forthmann schlägt dafür drei Wirkungsklassen vor: relationale, transaktionale und betriebswirtschaftliche Wirkung (Forthmann, 2026).

4.1 Relationale Wirkung

Relationale Wirkung entsteht, wenn Kommunikation die Beziehung zwischen einer Organisation und ihren Stakeholdern verändert. Dazu zählen beispielsweise: Vertrauen, Reputation, Glaubwürdigkeit, Akzeptanz, Legitimität, Bindung oder Arbeitgeberattraktivität.

Diese Größen werden gelegentlich als „weiche Faktoren“ bezeichnet. Das greift zu kurz. Die Forschung zu Organization-Public Relationships untersucht seit Jahrzehnten systematisch die Qualität von Beziehungen zwischen Organisationen und ihren Stakeholdern. Hon und Grunig entwickelten dafür unter anderem Messansätze für Vertrauen, Zufriedenheit, Commitment und wechselseitige Einflussmöglichkeiten (Hon & Grunig, 1999).

Relationale Wirkung ist insbesondere dort relevant, wo der Unternehmenswert stark davon abhängt, ob Stakeholder einem Unternehmen vertrauen, seine Entscheidungen akzeptieren oder eine längerfristige Beziehung eingehen.

4.2 Transaktionale Wirkung

Transaktionale Wirkung entsteht, wenn Kommunikation zu einem beobachtbaren Verhalten beiträgt. Das kann je nach Kommunikationsaufgabe beispielsweise eine Bewerbung, Registrierung, Kontaktaufnahme, Empfehlung, Teilnahme, Anfrage oder Kaufhandlung sein.

Der Vorteil transaktionaler Kennzahlen besteht in ihrer Nähe zu operativen Unternehmensprozessen. Gleichzeitig muss sauber zwischen einer niedrigschwelligen Reaktion und einer tatsächlich relevanten Zielhandlung unterschieden werden. Ein Klick kann ein Indikator sein. Er ist nicht automatisch die gewünschte Transaktion.

4.3 Betriebswirtschaftliche Wirkung

Die anspruchsvollste Stufe betrifft den wirtschaftlichen Beitrag von Kommunikation.

Reputation und andere immaterielle Faktoren können mit wirtschaftlicher Performance zusammenhängen. Die Literaturübersicht von Gatzert zeigt umfangreiche empirische Evidenz für Beziehungen zwischen Corporate Reputation, Stakeholderverhalten und finanzieller Performance – zugleich aber auch die Schwierigkeit, daraus einfache Kausalitätsbehauptungen abzuleiten (Gatzert, 2015).

Für bestimmte Fragestellungen kann eine monetäre Markenbewertung eine mögliche Brücke darstellen. ISO 10668 ermöglicht die Messung, welchen Anteil Kommunikation an dem Unternehmensgewinn und am Unternehmenswert hat.

Die entscheidende Managementregel lautet deshalb:

Nicht jede Kommunikation muss betriebswirtschaftliche Wirkung direkt beweisen. Aber jede strategische Kommunikation sollte erklären können, wie ihre angestrebte Wirkung mit einem relevanten Organisationsziel verbunden ist.

5. Impact Architecture: Strategie, Daten und Technologie als ein System

Wirkungsorientierung scheitert in der Praxis häufig nicht an fehlenden Erkenntnissen, sondern an Fragmentierung: Strategie wird an einer Stelle entwickelt. Inhalte werden an einer anderen produziert. Media Relations, Social Media und interne Kommunikation arbeiten mit eigenen Planungen. Marktforschung verfügt über Stakeholderdaten. Media Intelligence beobachtet öffentliche Kommunikation. CRM, HR oder Vertrieb besitzen Verhaltensdaten. Unterschiedliche Softwarelösungen erzeugen zusätzliche Datenräume.

Jede Einheit kann lokal optimiert arbeiten – ohne dass daraus ein wirkungsoptimiertes Gesamtsystem entsteht.

Impact Architecture lässt sich deshalb als Architektur verstehen, die drei Dimensionen verbindet:

Strategie beantwortet: Was soll sich verändern?
Sie definiert Unternehmensbezug, Stakeholder, Wirkungsziel und Wirkungsannahme.

Daten beantworten: Verändert es sich tatsächlich?
Sie machen Ausgangslage, Entwicklung, Zusammenhänge und Abweichungen sichtbar.

Technologie beantwortet: Wie können wir das System skalierbar analysieren und steuern?
Sie verbindet Daten, automatisiert Analyseprozesse, identifiziert Muster und ermöglicht schnellere Lernschleifen.

Entscheidend ist dabei die Reihenfolge. Technologie darf nicht bestimmen, welche Kennzahlen verwendet werden, nur weil ein Tool sie bereitstellt. Daten dürfen nicht gesammelt werden, nur weil sie verfügbar sind. Und eine Kommunikationsstrategie sollte nicht anhand dessen optimiert werden, was sich am einfachsten messen lässt.

Das Wirkungsziel bestimmt die Datenanforderung – und die Datenanforderung bestimmt den Technologieeinsatz.

Diese Logik passt zur wachsenden strategischen Rolle der Kommunikationsfunktion. Zerfass und Volk argumentieren, dass Kommunikationsabteilungen auf unterschiedliche Weise zum Unternehmenserfolg beitragen und dieser Beitrag systematisch mit Organisationszielen verbunden werden sollte (Zerfass & Volk, 2018).

Impact Architecture ist deshalb weniger ein neues Kommunikationsinstrument als ein Operating Model für Kommunikation.

6. Vor jeder Maßnahme: Die Wirkungsannahme

Eine der folgenreichsten Veränderungen wirkungsorientierter Kommunikation besteht darin, die Erfolgsmessung zeitlich nach vorne zu verlagern.

Klassisch läuft Kommunikation häufig folgendermaßen:

Maßnahme → Durchführung → Reporting → Suche nach positiven Kennzahlen.

Eine Impact Architecture kehrt diese Logik um:

Wirkungsziel → Wirkungsannahme → Messdesign → Maßnahme → Evaluation.

Vor einer größeren Kommunikationsinitiative sollte daher explizit formuliert werden:

Wenn wir X tun, erwarten wir bei Stakeholdergruppe Y die Veränderung Z, weil Mechanismus M eintreten sollte. Diese Veränderung erkennen wir an Kennzahl K innerhalb des Zeitraums T.

Damit wird aus einer Kommunikationsmaßnahme eine überprüfbare Hypothese.

Das hat mehrere Vorteile: Erstens verhindert es nachträgliche Erfolgsdefinitionen. Zweitens zwingt es dazu, vorab festzulegen, welche Wirkungsveränderung eigentlich relevant ist. Drittens entstehen automatisch Anforderungen an Daten und Messzeitpunkte. Viertens kann im Review nicht nur gefragt werden, ob eine Maßnahme „gut funktioniert“ hat, sondern wo die angenommene Wirkungskette funktioniert oder gebrochen ist.

Damit wird Messung von einem Nachweisinstrument zu einem Lerninstrument.

7. Die richtige KPI-Architektur: Weniger Kennzahlen, klarere Hierarchie

Ein Dashboard mit 70 Kennzahlen ist nicht notwendigerweise aussagekräftiger als eines mit sieben. Die zentrale Herausforderung liegt nicht im Zugang zu Daten, sondern in der Priorisierung der richtigen Daten. Eine wirkungsorientierte KPI-Architektur sollte deshalb drei Ebenen unterscheiden.

Ebene 1: Primäre Wirkungskennzahl

Sie beantwortet die Managementfrage: Welche relevante Veränderung soll eintreten beziehungsweise ist eingetreten?

Je nach Wirkungsart kann dies beispielsweise ein Vertrauens- oder Reputationsmaß, eine definierte Zielhandlung oder eine wirtschaftliche Zielgröße sein.

Im Managementreport sollte diese Kennzahl an erster Stelle stehen.

Ebene 2: Erklärende Evidenz

Diese Kennzahlen beantworten: Warum könnte sich die Wirkungskennzahl verändert haben?

Dazu können unter anderem Themenpräsenz, Wahrnehmung bestimmter Botschaften, Engagement, Suchverhalten oder Conversion gehören.

Diese Größen erklären den möglichen Wirkungsmechanismus.

Ebene 3: Leistungs- und Effizienzkennzahlen

Hierzu gehören Produktionsmenge, Publikationen, Reichweite, Bearbeitungszeiten, Budget oder Kosten pro Kontakt.

Sie bleiben wichtig für die operative Führung, sind jedoch nicht automatisch der Erfolgsnachweis gegenüber dem Management.

Die Barcelona Principles 4.0 stärken genau diese Logik: Klare und messbare Ziele stehen am Anfang; Messung soll qualitative und quantitative Methoden kombinieren und Outputs, Outcomes sowie Impact erfassen. Zudem wird der Einsatz ungültiger Ersatzgrößen für Wirkung ausdrücklich zurückgewiesen (AMEC, 2025).

Ein einfacher Test hilft bei jeder Kennzahl:

Welche Managemententscheidung würde anders ausfallen, wenn sich diese Kennzahl deutlich verändert?

Wenn darauf keine plausible Antwort existiert, ist die Kennzahl möglicherweise für operative Spezialisten relevant – aber nicht für das Managementreporting.

8. Aus Daten Evidenz machen

Mehr Daten bedeuten nicht automatisch mehr Erkenntnis.

Eine Impact Architecture braucht unterschiedliche Datenarten, weil unterschiedliche Wirkungsklassen unterschiedliche Belege erfordern.

Für relationale Wirkung können beispielsweise Befragungen, Reputationstracking, Vertrauensmessungen, qualitative Interviews, Medienanalysen und Social Listening relevant sein.

Für transaktionale Wirkung werden häufig Web Analytics, CRM-, Bewerbungs-, Registrierungs-, Such- oder Vertriebsdaten benötigt.

Für betriebswirtschaftliche Wirkung kommen zusätzlich Finanz-, Controlling- oder Bewertungsdaten hinzu.

Die eigentliche Stärke entsteht durch Verknüpfung.

Wenn beispielsweise Medien- oder Social-Listening-Daten eine Veränderung der öffentlichen Kommunikation zeigen und parallel eine Social-Listening-Analyse eine Veränderung der Reputation dokumentiert, entsteht eine deutlich stärkere Evidenzkette als durch einen einzelnen Datenpunkt.

Gleichzeitig muss zwischen Zusammenhang und Ursache unterschieden werden. Kommunikation findet niemals im Vakuum statt. Marktveränderungen, Produktqualität, Preise, Managemententscheidungen, Wettbewerber, gesellschaftliche Ereignisse und viele andere Faktoren beeinflussen Stakeholder gleichzeitig.

Deshalb sollte ein seriöses Wirkungsreporting unterschiedliche Evidenzgrade unterscheiden:

Deskriptive Evidenz: Zwei Entwicklungen treten gleichzeitig auf.

Zusammenhangsevidenz: Statistische Analysen zeigen einen systematischen Zusammenhang.

Zeitliche Evidenz: Die angenommene Ursache geht der Veränderung voraus.

Vergleichsevidenz: Kontrollgruppen, Benchmarks oder Vergleichszeiträume stützen die Annahme.

Kausale Evidenz: Experimentelle oder quasi-experimentelle Designs erlauben belastbarere Aussagen über Ursache und Wirkung.

In vielen Kommunikationssituationen wird eine perfekte Kausalanalyse nicht möglich sein. Die professionelle Alternative besteht jedoch nicht darin, Wirkung überhaupt nicht nachzuweisen. Sie besteht darin, den Grad der Evidenz transparent zu machen.

Methodische Ehrlichkeit erhöht Glaubwürdigkeit.

9. KI verändert die Wirkungssteuerung grundlegend

Künstliche Intelligenz wird häufig primär als Produktionswerkzeug diskutiert. Für eine Impact Architecture ist ihr analytisches Potenzial mindestens ebenso relevant. Der European Communication Monitor 2024/25 zeigt, dass Analytics und Insights bereits zu den am stärksten etablierten KI-Anwendungsfällen in führenden europäischen Kommunikationsabteilungen gehören. Mehr als 55 Prozent der untersuchten Kommunikationsabteilungen nutzen KI häufig oder immer für Aufgaben wie Stakeholderanalysen, Medienmonitoring oder Sentimentanalysen (Zerfass et al., 2024).

Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass große Sprachmodelle für bestimmte Textklassifikationsaufgaben erhebliche Potenziale besitzen. Gilardi, Alizadeh und Kubli konnten für mehrere Annotationstypen wie Themen-, Relevanz-, Stance- und Frame-Klassifikation zeigen, dass ChatGPT in ihrem Untersuchungsdesign Crowdworker übertraf (Gilardi et al., 2023).

Für Kommunikationsabteilungen eröffnet dies unter anderem neue Möglichkeiten bei:

  • der Analyse großer Medien- und Social-Media-Datenbestände,
  • Themen- und Frame-Erkennung,
  • Stakeholderklassifikation,
  • Auswertung offener Befragungsantworten,
  • Mustererkennung in Zeitreihen,
  • Erkennung ungewöhnlicher Veränderungen,
  • Zusammenführung heterogener Datenbestände,
  • Erstellung von Hypothesen für Wirkungszusammenhänge,
  • Verdichtung komplexer Analysen für Managemententscheidungen.

Damit sinken insbesondere bei unstrukturierten Daten die Kosten der Analyse.

Doch KI löst das methodische Problem der Wirkungsmessung nicht automatisch. Ein Sprachmodell kann schlechte Kategorien ebenso schnell anwenden wie gute. Automatisierte Analysen können Scheingenauigkeit produzieren, wenn Datengrundlage, Klassifikationslogik oder Validierung unzureichend sind.

Internationale Governance-Frameworks betonen daher Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Robustheit und menschliche Kontrolle. Das NIST Generative AI Profile empfiehlt einen systematischen Risikomanagementansatz für generative KI über ihren gesamten Lebenszyklus. Die 2024 aktualisierten OECD AI Principles unterstreichen ebenfalls Transparenz, Nachvollziehbarkeit, menschliche Aufsicht und Accountability (Autio et al., 2024; OECD, 2024).

Für wirkungsorientierte Kommunikation folgt daraus:

AI first darf nicht Methodology second bedeuten.

KI sollte Analyse skalieren. Die fachliche Verantwortung für Zieldefinition, Indikatoren, Validierung und Interpretation verbleibt beim Menschen.

10. Von Kampagnensteuerung zu kontinuierlicher Wirkungssteuerung

Eine Impact Architecture endet nicht mit einem Abschlussreport. Wenn Wirkung das eigentliche Ziel der Kommunikation ist, muss sie regelmäßig zur Steuerung verwendet werden. Das verändert Review-Prozesse grundlegend.

Ein klassisches Reporting fragt häufig:

Was haben wir gemacht?
Wie viele Menschen haben wir erreicht?
Wie war die Resonanz?

Ein Wirkungsreview fragt dagegen:

Hat sich die beabsichtigte Zielgröße verändert?
Welche Evidenz spricht dafür, dass Kommunikation dazu beigetragen hat?
Wo funktioniert unsere Wirkungsannahme – und wo nicht?
Welche Konsequenz ergibt sich daraus für Themen, Botschaften, Formate, Kanäle und Ressourcen?

Damit entstehen echte Lernschleifen.

Wirkungskennzahlen müssen dabei nicht alle gleich häufig erhoben werden. Digitale Frühindikatoren können täglich beobachtet werden. Reputation, Vertrauen oder Einstellungen verändern sich häufig langsamer und benötigen längere Messintervalle. Betriebswirtschaftliche Wirkung kann wiederum noch längere Zeiträume erfordern.

Die Aufgabe besteht deshalb nicht darin, sämtliche Kennzahlen in Echtzeit verfügbar zu machen. Die Aufgabe besteht darin, für jede Wirkungsstufe den richtigen Beobachtungsrhythmus festzulegen.

11. Managementreporting: Mit der Wirkung beginnen

Wirkungsorientierung verändert schließlich die Art, wie Kommunikationsabteilungen ihren Erfolg gegenüber Vorstand und Geschäftsführung darstellen. Ein Managementreport sollte nicht mit Kommunikationsaktivitäten beginnen. Er sollte mit der Veränderung beginnen, die für das Unternehmen relevant ist.

Die Grundstruktur kann sehr einfach sein:

  1. Welches Unternehmensziel unterstützen wir?
  2. Welcher Impact sollte entstehen?
  3. Wie hat sich die zentrale Wirkungskennzahl entwickelt?
  4. Welche Evidenz erklärt diese Entwicklung?
  5. Wie sicher ist die Zuschreibung zur Kommunikation?
  6. Welche Managemententscheidung oder Priorisierung folgt daraus?

Dadurch verschiebt sich die Sprache des Kommunikationsmanagements. Statt über Anzahl von Posts, Clippings und Veranstaltungen zu sprechen, geht es stärker um Vertrauen, Reputation, Akzeptanz, Verhalten, Risiko, Bindung oder wirtschaftlichen Wertbeitrag. Das bedeutet nicht, Fachkennzahlen abzuschaffen. Sie erhalten lediglich den richtigen Platz.

Diese Entwicklung entspricht auch der veränderten Rolle von Kommunikationsleitungen. CCOs sind heute stärker in strategische Unternehmensfragen eingebunden und übernehmen häufiger Verantwortung über klassische Kommunikation hinaus. Gerade diese größere Nähe zur Unternehmensführung erhöht jedoch die Anforderung, Kommunikation in einer managementfähigen Wertlogik zu erklären (Arthur W. Page Society, 2024; Edelman, 2023). (Arthur W. Page Society)

12. Neun Leitfragen für den Einstieg in eine Impact Architecture

Eine Kommunikationsabteilung muss ihre gesamte Organisation nicht auf einmal umbauen. Der Einstieg kann über wenige strategische Fragen erfolgen.

  1. Welches konkrete Unternehmensziel unterstützen wir mit diesem Kommunikationsfeld?
  2. Bei welchen Stakeholdern muss sich dafür etwas verändern?
  3. Was genau sollen diese Stakeholder anschließend anders denken, fühlen, entscheiden oder tun?
  4. Ist die angestrebte Wirkung primär relational, transaktional oder betriebswirtschaftlich?
  5. Welche eine Kennzahl würde am besten zeigen, dass diese Wirkung eingetreten ist?
  6. Welche vorgelagerten Kommunikations- und Stakeholdersignale erklären wahrscheinlich die Veränderung?
  7. Welche Daten besitzen wir bereits – und welche fehlen tatsächlich?
  8. Welche Rolle können Technologie und KI spielen, ohne Methodik und menschliche Kontrolle zu ersetzen?
  9. Welche Entscheidung treffen wir anders, wenn die erwartete Wirkung nicht eintritt?

Die neunte Frage ist besonders wichtig.

Ein Messsystem, aus dem keine Entscheidungen folgen, ist Reporting.

Ein Messsystem, das Prioritäten verändert, Ressourcen verschiebt und Kommunikation verbessert, ist Steuerung.

Fazit: Wirkung ist kein Reporting-Thema, sondern ein Führungsprinzip

Die Herausforderung moderner Kommunikation besteht nicht darin, noch mehr Möglichkeiten zur Kommunikation zu schaffen. Diese Möglichkeiten stehen längst zur Verfügung.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, aus einer nahezu unbegrenzten Zahl potenzieller Themen, Inhalte, Zielgruppen und Kanäle genau jene Kombination zu wählen, die eine relevante Veränderung erzeugt. Dafür muss Kommunikation von ihrem gewünschten Ergebnis her gedacht werden.

Die Konsequenz ist weitreichend:

Nicht der Content steht am Anfang, sondern das Unternehmensziel.
Nicht die Maßnahme definiert den Erfolg, sondern der gewünschte Impact.
Nicht das verfügbare Dashboard bestimmt die Kennzahlen, sondern die Wirkungsannahme.
Nicht möglichst viele Daten schaffen Erkenntnis, sondern ihre Verbindung zu einer klaren Entscheidungsfrage.
Nicht KI allein verbessert Kommunikation, sondern ihre Kombination mit Strategie, Datenqualität und menschlicher Urteilskraft.

Impact Architecture bezeichnet in diesem Sinne die systematische Konstruktion einer Kommunikationsarbeit, in der Strategie, Daten und Technologie konsequent auf eine definierte Wirkung ausgerichtet werden.

Damit verändert sich auch die zentrale Frage der Kommunikationsleitung.

Sie lautet nicht mehr: „Wie können wir zeigen, dass wir viel geleistet haben?“

Sondern: „Welche Veränderung wollen wir für das Unternehmen bewirken – und wie müssen wir Kommunikation dafür konstruieren?“

Wer diese Frage konsequent beantwortet, produziert möglicherweise nicht mehr Kommunikation.

Aber sehr wahrscheinlich relevantere.


  • Association for Measurement and Evaluation of Communication. (2025). Barcelona Principles 4.0. AMEC. (AMEC)
  • Association for Measurement and Evaluation of Communication. (o. J.). AMEC Integrated Evaluation Framework. AMEC. (AMEC)
  • Arthur W. Page Society. (2024). Beyond communication: CCO leadership in navigating new complexity. (Arthur W. Page Society)
  • Autio, C., Schwartz, R., Dunietz, J., Jain, S., Stanley, M., Tabassi, E., Hall, P., & Roberts, K. (2024). Artificial Intelligence Risk Management Framework: Generative Artificial Intelligence Profile (NIST AI 600-1). National Institute of Standards and Technology. https://doi.org/10.6028/NIST.AI.600-1 (NIST)
  • Edelman. (2023). 2023 Future of Corporate Communications Study. (Edelman)
  • Forthmann, J. (2026). Wirkungsfokussierte Unternehmenskommunikation: Transformation von kommunikativen Effekten zu echtem Wertbeitrag für Unternehmen. Springer Gabler. https://doi.org/10.1007/978-3-658-52628-3 (Springer)
  • Gatzert, N. (2015). The impact of corporate reputation and reputation damaging events on financial performance: Empirical evidence from the literature. European Management Journal, 33(6), 485–499. https://doi.org/10.1016/j.emj.2015.10.001 (ScienceDirect)
  • Gilardi, F., Alizadeh, M., & Kubli, M. (2023). ChatGPT outperforms crowd workers for text-annotation tasks. Proceedings of the National Academy of Sciences, 120(30), e2305016120. https://doi.org/10.1073/pnas.2305016120 (DOI)
  • Hon, L. C., & Grunig, J. E. (1999). Guidelines for measuring relationships in public relations. Institute for Public Relations. (Institute for Public Relations)
  • International Organization for Standardization. (2010). ISO 10668:2010 Brand valuation—Requirements for monetary brand valuation. ISO. (ISO)
  • Macnamara, J. (2014). Emerging international standards for measurement and evaluation of public relations: A critical analysis. Public Relations Inquiry, 3(1), 7–29. https://doi.org/10.1177/2046147X14521199 (Sage Journals)
  • Organisation for Economic Co-operation and Development. (2024). OECD AI Principles. OECD. (OECD)
  • Zerfass, A., Buhmann, A., Laborde, A., Moreno, A., Romenti, S., & Tench, R. (2024). European Communication Monitor 2024/25: Managing tensions in corporate communications in the context of geopolitical crises, artificial intelligence, and managerial learning. EUPRERA. (European Communication Monitor)
  • Zerfass, A., & Viertmann, C. (2017). Creating business value through corporate communication: A theory-based framework and its practical application. Journal of Communication Management, 21(1), 68–81. https://doi.org/10.1108/JCOM-07-2016-0059 (ResearchGate)
  • Zerfass, A., & Volk, S. C. (2018). How communication departments contribute to corporate success: The communications contributions framework. Journal of Communication Management, 22(4), 397–415. https://doi.org/10.1108/JCOM-12-2017-0146 (Emerald Publishing)
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